Psychiatrie von A bis Z

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Verrücktheit

Die Bezeichnung „Verrücktheit“ war im 19. Jahrhundert weit verbreitet für psychische Krankheiten, die heute als Schizophrenie, Manie oder Depression bekannt sind (Psychosen). Im Volksmund konnte sich die Umschreibung „verrückt sein“ fälschlicherweise auf nahezu alle Formen von psychischen Erkrankungen oder Auffälligkeiten ausdehnen, bedeutet sie doch, dass Betroffene aus „unserer Wirklichkeit abgerückt“ erscheinen. Zum Teil ist bis heute die Ansicht verbreitet, psychische Leiden seien unehrenhaft, was sich in dem Ausspruch „Ich bin doch nicht verrückt...!“ widerspiegelt. Früher wurden manchmal sogar geistig behinderte Menschen als „verrückt“ bezeichnet. Dabei leiden sie nicht an einer psychischen Krankheit. Sie haben meist eine bleibende Hirnschädigung oder eine Hirnfehlfunktion und damit eine Behinderung, wie es zum Beispiel auch angeborene Blindheit oder körperliche Missbildungen sind.

Wahn

Der Wahn ist eine inhaltliche Denkstörung, eine krankhafte Fehleinschätzung der Realität, die für Außenstehende wie die Familie oder dem ärztlichen Fachpersonal nicht begreiflich ist. Diese wahnhaften Überzeugungen lassen sich durch vernünftige Argumente nicht ändern. So kann sich der Wahnkranke zum Beispiel von anderen Personen bedroht oder negativ beeinflusst fühlen. Er kann der festen Überzeugung sein, völlig zu verarmen oder an allem Unglück der Welt Schuld zu haben. Auch der Glaube, eine ganz besondere Person zu sein zum Beispiel ein Welterlöser, ist eine Wahnidee. Patient_innen, die an einer Schizophrenie oder einer Depression erkrankt sind, leiden häufig unter Wahnideen. Außerhalb der Wahngedanken muss das logische Denkvermögen nicht beeinträchtigt sein.

Zwangsmaßnahmen

Maßnahmen gegen den erklärten Willen eines einwilligungsfähigen Patienten sind grundsätzlich nicht erlaubt. Wenn psychisch erkrankte Patient_innen aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr in der Lage sind, ihren Willen frei von Krankheitssymptomen zu bilden und wenn sie aufgrund der psychischen Erkrankung sich selbst oder andere Menschen erheblich gefährden, so erlaubt das Gesetz in Ausnahmefällen, Maßnahmen gegen den Willen der einwilligungsunfähigen Patienten_innen. Solche sogenannten Zwangsmaßnahmen wie zum Beispiel die Freiheitsberaubung, indem Patient_innen in der Klinik behalten werden oder die Zwangsmedikation, also dass sie verpflichtet werden, Medikamente einzunehmen, sind in den entsprechenden Gesetzen des Unterbringungsgesetzes des Landes (UBG), des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) aber auch im Strafgesetzbuch (StGB) geregelt. Solche Zwangsmaßnahmen sind außerhalb eines Notstandes nur mit richterlicher Genehmigung zulässig und müssen beim zuständigen Gericht beantragt werden. Hierüber wacht das Sozialministerium bzw. die Europäische Kommission für Menschenrechte.